Nun ist es also so weit: Ich stehe vor dem Standesbeamten, den ich aus unserem Fußballverein schon jahrelang kenne, und schaue der Frau mit den umwerfendsten Augen und der tollsten Frisur in diesem Raum in die Augen, mit der ich mein Leben verbringen möchte. Noch ein kurzer Moment und zwei Mal die gleiche, entscheidende Frage steht uns noch bevor.

Dabei begann der Tag relativ stressig, eigentlich fast schon typisch für eine Hochzeit. Die ganze Nacht über konnte ich schon nicht vernünftig schlafen, musste ständig auf die Toilette rennen, konnte die Augen nicht zu bekommen. Immer wieder die gleichen bohrenden Fragen. Machst du das Richtige? Willst du dieser deiner zukünftigen Frau wirklich das Ja Wort geben? Ein Blick auf meine Verlobte, die friedlich ruhig neben mir schläft, bestätigt mich dann aber in meiner Wahl. Und eine Flasche Bier schafft dann auch Abhilfe, so dass ich schließlich doch noch ein wenig Schlaf finde.

Der Morgen beginnt mit dem Weckruf der künftigen Schwiegermutter, gefolgt von meiner kompletten Familie. Jeder hat einen passenden Ratschlag parat, den er mir auch schön mitteilt. Was gibt es schöneres! Noch 4 Stunden bis zur Trauung auf dem Standesamt. Erst mal wird in Ruhe gefrühstückt, eine Zigarette geraucht und dann geht’s ganz langsam zum elterlichen Haus, um den Party Keller für die Hochzeitsfeier danach bezugsfertig zu machen.

Die Runde wird doch offensichtlich etwas größer als erwartet, die Fußball Truppe und die Schiedsrichter Kollegen haben sich kurzfristig auch noch in voller Stärke angemeldet, so dass mein Vater nochmals los fahren darf, Getränke nach kaufen. Kurzerhand wird das bestellte Essen beim Partyservice dann auch noch mal von für 15 Personen auf 35 hoch gesetzt. Nur gut, das der Vater der Braut spendablerweise für die vollen Kosten aufkommt.

Zurück zu Hause steht nun duschen und Kleideranprobe auf dem Programm, mein Puls beginnt langsam aber sicher zu steigen, ich beginne, nervös zu werden. Keine Spur von Nervosität bei meiner Zukünftigen, die sich von ihrer Friseurin eine Hochzeitsfrisur frisieren lässt und ihrer Nageldesignerin kümmert sich zusätzlich um ihre neuen Kunstnägel. Sie ist den ganzen Tag genau wie die Tage zuvor – ruhig, nicht weiter hektisch – schlicht das genaue Gegenteil von mir.

Mit genau dieser Ruhe hat sie es auch geschafft, mir zwei Monate zuvor die Frage zu stellen, ob ich sie heiraten möchte. Wobei ich damals eigentlich nicht großartig überlegen musste. Obwohl ich sie erst knapp ein Jahr kannte und mit ihr zusammen war, wusste ich, dass sie die Frau ist, mit der ich mein Leben teilen möchte.
Die Zeit rennt auf mal – es ist noch knapp eine Stunde bis um 11.30, die Zeit für die Trauung. Ankunft meines zweiten Trauzeugen, mein alter Schulfreund, der nach Bayern gezogen war, extra angereist für meine Hochzeit. Wir treffen uns voll versammelt mit der ganzen Familie vor dem Standesamt, warten und prüfen kurz ob alle vollzählig sind, und auf geht’s – komme ich wieder raus, bin ich ein Ehemann.

Unser Standesbeamte beginnt mit der Zeremonie, besonnen, sachlich, wie ich ihn kenne. Und dann die Frage an mich: Möchtest du diese Frau mit dem wunderschönen Brautkleid und dieser unübertrefflichen Brautfrisur zu deiner Ehefrau nehmen?

Ich überlege nur kurz und antworte mit einem deutlichen “JA”, werfe meiner Frau einen Blick zu und sehe, wie ihr und mir die Tränen jetzt schon in die Augen steigen.
Meine Frau spricht das “JA” ebenso schnell und überzeugend- und dann … ja, dann sind wir Mann und Frau und ich küsse meine Ehefrau, die bis eben noch meine Verlobte war. Nach der üblichen Agape mit Sektempfang und den Hochzeits-Glückwünschen durch alle Anwesenden steht auf dem Rathausplatz meine Fußballtruppe Spalier. In voller Spielermontur, womit ich nie gerechnet hätte.

Der schönste Tag in meinem Leben endet beim gemütlichen Zusammensein im Partyraum meiner Eltern und ein wenig Spaß in der anschließenden Hochzeitsnacht.